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2011
Videoprojektion auf schwarzem Untergrund
Super8-Film HD-transferiert (5.31 Min., Loop, Schwarz-Weiß, Sound)


Island liegt mit seiner uralten Sprache und seinen Schriften beinah außerhalb der Zeit. So etwas spiegelt sich in der Landschaft wieder, wenn man beispielsweise am Kontinentalspalt zusehen kann, wie das Land „wächst“. Auch die vielen vulkanischen Aktivitäten geben einem das Gefühl, bei der Entstehung der Erde zusehen zu dürfen.

Das Video þoka zeigt Aufnahmen isländischer Landschaften im Nebel. Durch den geringen Lichteinfall bildet das Filmmaterial jedoch nur einen Teil davon ab. Die Umgebung lässt sich schwer erahnen, während die Körnung eigene Bilder zu kreieren scheint. Dem Korn im Filmmaterial entspricht beim Ton ein Knistern – auch hier wird eine Störung zum Teil des Eigenlebens des Kunstwerks.

Ich hatte diese Situation des Erscheinen und Verschwindens von Ton und Bild tatsächlich so vorgefunden, als ich mit der Sängerin Anna Maria Wolke an der Küste der Westfjords unterwegs war. Sie sang das Lied der Loreley, während gleichzeitig Nebelschwaden aufzogen, die mir jegliches Gefühl von Raum und Zeit nahmen. Auch in diesem Lied geht es darum, für einen Moment die Realität zu verkennen. Der Schiffer, der der gewaltigen Melodie der Loreley lauscht und dabei jedes Raumgefühl verliert, versinkt in den Wellen. Ähnlich kann sich der Betrachter meines Videos im Ort- und Zeitlosen verlieren – in einem bewegten Bild, das für mich in seiner Abstraktion ebenso sehr Malerei wie Film sein kann.

(Text: Maria Dabow / Antje Majewski)

Sound Design: Kristian Ross
Sängerin: Anna-Maria Wolke
Lied: Clara Schumann - Loreley
Farbkorrektur: Florian Stärk